Borneo-Ein Besuch bei Uncle Tan und seiner Jungle Mafia

von | 15. Mai 2018 | Malaysia, Reiseberichte

Sowie die Besteigung des Mt. Kinabalu ein „Muss“ für Sabah-Reisende darstellt, so ist auch ein Besuch im Dschungel von Borneo eine Erfahrung, die keiner missen sollte. Auch hier gibt es verschiedene Anbieter und man sollte sich im Vornherein Plätze reservieren. Der wohl bekannteste Anbieter für Dschungeltrips ist „Uncle Tan“. Er war einer der ersten, der ab 1988 Touristen die Möglichkeit bot, das Leben im Dschungel zu erfahren. Auch wenn Uncle Tan mittlerweile nicht mehr unter uns weilt, so stößt wahrscheinlich jeder Borneo-Besucher, zumindest aber jeder Sabah-Besucher über diesen Namen. Empfohlen wird ein 3 Tages-Trip mit 2 Übernachtungen, was wir schließlich auch buchten.

Ab in den Dschungel

Nach der Besteigung des Mt. Kinabalu begaben wir uns direkt in das B&B der Basisstation von Uncle Tan, um am nächsten Morgen direkt starten zu können. Zunächst wird die Möglichkeit geboten, einen Abstecher in das Sepilok Orangutan Rehabilitation Centre zu machen. In dem etwa 43 km² großen Naturschutzgebiet leben heute knapp 100 Orang-Utans. Danach geht es auf eine 1 ½ stündige Autofahrt bis zu einem Bootsanleger am Kinabatagan Fluss. Von dort aus geht es mit dem Boot weiter auf eine etwa 1 stündige Fahrt entlang dem Kinabatagan bis zum Lager von Onkle Tan. Bereits auf dieser Bootstour bekommt man viele unterschiedliche Tiere zu Gesicht, angehalten wird aber nur für die seltenen. Im Lager angekommen, haben wir unsere Hütten zugewiesen bekommen. Dabei handelt es sich um einfache, auf Stelzen gebaute und zu 3 von 4 Seiten offene Hütten, in denen lediglich eine Matratze auf dem Boden liegt, über der ein Moskitonetz gespannt ist. Borneo bietet eben Abenteuer. Alles Essbare muss in verschließbaren Tonnen verstaut werden, da sich ansonsten Ratten und Affen an ihnen zu schaffen machen. Das gilt ebenso wie für an Essbares anmutendes. So erzählte uns ein Guide, einst wäre ein Gast zu ihm gekommen und hätte ihm eine Packung Kondome mit Erdbeergeschmack gezeigt, die komplett zerbissen war.

Borneo-Dschungel-Hütte

Im Dschungel von Borneo hausen wir luftig. Matratze am Boden, Mosquito-Netz und eine Plastiktonne für alle Lebensmittel.

Ganz Borneo ist auf Stelzen gebaut

Die Wege zwischen den Hütten und dem Toilettenbereich ist ebenfalls auf Stelzen gebaut. Der Grund dafür liegt darin, dass das Camp mitten in einen Sumpf gebaut ist. Zum Duschen und Spülen muss zunächst hochgepumptes Brackwasser aus großen Behältern in kleinere Eimer gefüllt werden. Strom gibt es im Camp nur über Generatoren, die vier Stunden pro Tag im Betrieb sind.

Nachdem wir unsere Hütte bezogen hatten, hatten wir etwas Zeit, um uns das Camp anzugucken, bevor es Abendessen gab. Im Anschluss daran stand bereits der erste Programmpunkt auf dem Plan, eine Nacht-Boot-Safari. Diese kann man sich in etwa so vorstellen: Die Touristen sitzen im Boot, während der Guide wie wild mit einer sehr starken Lampe hinter ihnen hin und her zuckelt und langsam weiterfährt, um dann aus einem unempfindlichen Grund auf einen Punkt in weiter Ferne zu zeigen und mit dem Boot darauf zuzuhalten. Erst wenn man viele Meter näher herangefahren wurde ist auch der übliche Tourist in der Lage zu sehen, was das Scheinwerferlicht preisgibt. So waren wir immer wieder aufs Neue überrascht, was unser Guide erspähen konnte, von Krokodilen, schlafenden Affen, über bunte Kingfisher-Vögel bis hin zu Eulen. Wieder zurück im Camp war es Zeit ins Bett zu gehen. Im Dschungel zu übernachten ist eine weitere unglaublich tolle Erfahrung. Die Geräuschkulisse ist zugleich faszinierend wie beruhigend und man fühlt sich wirklich wie mitten im Dschungel.

Morgen, Mittags, Abends … Safari geht immer

Früh am nächsten Morgen stand bereits der nächste Programmpunkt auf dem Plan, eine Morgen-Boot-Safari. Im Endeffekt das gleiche wie die Nacht-Boot-Safari, auch das Sichten von Tieren wird wieder vom Guide übernommen, nur dass es diesmal nicht die nachtaktiven sondern die tagaktiven Tiere sind, die man zu Gesicht bekommt. Diese gehen früh morgens an den Fluss um zu trinken und um danach auf Bäumen und im Dickicht der heißen Mittagssonne zu entrinnen. So bekamen wir neben Nashornvögeln, die ein Leben lang mit ein und demselben Partner verbringen, riesige Warane und Brahminenweihe, eine Habichtart, zu Gesicht und eine Wild- oder Schleichkatze konnte gerade noch rechtzeitig vor dem Foto im Dickicht verschwinden. Zudem sieht man überall Javaneraffen bzw. Langschwanzmakake, die dort liebevoll „Jungle Mafia“ genannt werden. Der Name stammt daher, dass diese Affenart gerne in Trupps in die Dörfer zieht und dort Küchen leerräumt.

Anschließend ging es kurz zurück ins Camp, wo wir uns für eine kleine Dschungelwanderung rüsteten. Gummistiefel werden zur Verfügung gestellt und die sind eigentlich genau das, was man braucht. Menschen mit großen Füßen werden jedoch Probleme haben, etwas Passendes zu finden. Spätestens als wir stehendes Wasser inklusive vieler kleiner Würmer in manchen Schuhen entdeckten, entschieden wir uns doch für unsere eigenen Wanderstiefel.

Borneo-Dschungel-Wanderstie

Im Leih-Gummistiefel waren Pfützen und viele kleine Würmer. Wohl dem, der seine eigenen Wanderstiefel dabei hat.

Während dieser Wanderung ging es Hauptsächlich um die Flora im Regenwald. Unser Guide ist im Dschungel auf Borneo aufgewachsen und konnte uns zahlreiche Tipps geben, z.B. welche Pilze und Blätter man essen konnte und auf welche man besser verzichten sollte.

Nach dieser Wanderung gibt es eine kurze Pause im Programm, außer man entscheidet sich, einen Angeltrip zu starten. Wir entschieden uns für letzteres und nach den ersten Startschwierigkeiten fingen wir und zwei weitere Angler doch noch insgesamt 19 Fische, die wir statt des üblichen Abendessens bekommen würden.

Danach ging es wieder auf das Boot, Nachmittag-Boots-Trip. Gleich zu Beginn konnten wir eine ganze Javaneraffen-Familie dabei beobachten, wie einer neugieriger als der andere eine im Baum liegende, etwa 2 ½ Meter lange Python begutachtete, bevor dann doch wieder schnell weggerannt wurde und der nächste gucken durfte. Zudem konnten wir Nasenaffen beobachten, die unverkennbar nach ihren großen Nasen benannt wurden und einen großen runden Bauch besitzen. Grund dafür sind ihre in drei Kammern aufgeteilten Mägen, wodurch sie auch in der Lage sind, für andere Tiere giftige Pflanzen zu essen.

Der Boden hat 1.000 Augen

Der letzte Punkt an diesem Tag war eine Nachtwanderung. Während dieser sollte man es nicht versäumen, sich einmal etwas zurückfallen zu lassen und die Taschenlampe auszumachen. Trotz strahlendem Vollmond ist es durch das dichte Blätterwerk stockdunkel. Dazu kommt das etwas beklemmende Gefühl, dass überall Lebewesen lauern, die einem etwas anhaben können. Also schnell wieder Taschenlampe an und zur Gruppe aufschließen. Nimmt man die Taschenlampe auf Augenhöhe, sieht man überall auf dem Boden Augen, die einen angucken. Zumeist sind es jedoch ungefährliche Spinnen. Dann ging es wieder zurück, und unser am Mittag gefangener Fisch wurde uns verzehrfertig vorgesetzt.

Mückennetz immer dicht halten … immer!

Am nächsten Morgen wartete eine Überraschung auf Olli, der in der Nacht versehentlich mit einem Fuß das Mückennetz aufgedrückt hat. Etwas mehr als 100 Mückenstiche hatte er sich über Nacht an den Füßen und anderen freien Stellen eingefangen. Gott sei Dank ohne Langzeitfolgen. Der Morgen war sehr verhangen und nebelig, was unsere letzte Morgen-Boots-Tour in eine sehr besondere, friedliche Atmosphäre tauchte. Danach ging es ans Packen und auf den Rückweg zur Basisstation.

Borneo-Dschungel-Nebel

Der Fluß verabschiedet sich mit einer mystischen Stimmung. Auf Wiedersehen Borneo.

Auch wenn die erschreckend weit vorangeschrittene Urwaldrodung zu Gunsten von Palmölplantagen die Artenvielfalt bereits stark verringert hat, sollte kein Reisender es verpassen, ein paar Tage im Dschungel von Borneo zu verbringen und die verbliebene, immer noch hoch beeindruckende Flora und Fauna zu erleben.

Borneo-Dschungel-Henning

Ob unser Kollege ein direkter Nachfahre Tarzans ist, ist uns nicht bekannt.

Uncle Tan Wildlife Tours Borneo

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