Halbmarathon in Singen

von | 22. September 2013 | Deutschland, Reiseberichte

Noch eine Woche bis zum Berlin Marathon. Oder sollte ich besser sagen zwei Wochen nach den Transalpine Run wage ich mich zum ersten Mal in diesem Jahr auf einen Straßenkurs, den Halbmarathon Singen.

Ich hätte ja die Möglichkeit gehabt, zum Revierguide in die Fränkische Schweiz zu fahren um da lockere 30 Kilometer auf meinen Lieblingsterrain, den Trails, zu laufen. Doch alleine morgens um fünf losfahren, 380 Kilometer durchs Land war mir dann doch etwas zu extrem.

Katharina von unserer Laufgruppe startete beim Halbmarathon Singen und hatte sich vorgenommen endlich die zwei Stunden-Marke zu knacken. Der Vorteil für mich. Ich kann zwei Stunden länger schlafen und wenn ich mit Katharina laufe, könnte ich auch einen lockeren Halbmarathon absolvieren.

Also schälte ich mich erst um sieben Uhr aus dem Bett. Meine Tasche hatte ich vorsorglich für beide Events gepackt. Entspannt frühstücken und dann ab nach in die Maggi-Stadt. Noch lag Nebel über den See, doch kaum etwas weiter nach Norden eröffnete sich ein strahlend blauer Himmel. Das wird ein toller Lauf. Bei der Anmeldung treffe ich dann auch gleich ein paar Bekannte und freue mich auf den Lauf. Schon seltsam Schuhe ohne Profil zu tragen. Kurz vor dem Start läuft mir dann Katharina über den Weg. Sie ist sichtlich erfreut, dass ich mich für Singen und nicht für Franken entschieden habe. So werde ich sie bei ihrem Vorhaben unter zwei Stunden zu laufen begleiten.

Pünktlich um halb zehn werden die Läufer, Halbmarathonies und 10-Kilometer-Läufer starten gemeinsam, auf die Strecke gelassen. Es geht quer durch die Stadt und später über Schotterwege weiter. Sogar kleine Anstiege gibt es zu bewältigen. Es sind am Ende aber doch nur 60 Höhenmeter auf die 21 Kilometer. Wir laufen exakt auf Zeit. Ich fokussiere 1:55 an, damit wir am Ende noch etwas Luft haben. Bei Kilometer sechs überholen wir den 1:58 Läufer und pendeln uns super ein. Der größte Unterschied auf der Straße gegenüber Trails sind die angespannten Läufer. Alle sind extrem verbissen unterwegs und die Zuschauer freuen sich auch, wenn mal ein Läufer etwas Spaß auf der Strecke macht.

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Ich beschäftige Katharina mit verschiedenen Sachen. Laufstil, Rhythmus, Tempo. Irgendwann kommen wir beim Thema Trailrunning an und es geht um Schuhe, als sich ein Läufer uns kurzerhand anschliesst. Es ist Robert Kampczyk, passionierter Trailrunner, der heute die kurze Distanz läuft um die Qualifikation oder besser gesagt die Erlaubnis seiner Frau für den nächsten Ultra zu erhalten. Hoffentlich kommt Beate nie auf so ne Idee. Wir laufen ein kurzes Stück miteinander, doch heute soll der Willen von Robert nicht stark genug sein und er lässt abreissen. Leider schafft er dadurch nicht die Qualifikation und so biete ich mich an beim nächsten 10er Tempomacher für ihn zu spielen. Trailrunner halten eben auch auf der Straße zusammen.

Unser Lauf geht derweil sehr gut weiter und wir biegen auf die zweite Runde. Die Strecke leert sich und nun läuft man auch mal über längere Strecken fast alleine – endlich Platz und kein Gedränge. Wenn dann doch mal Läufer auftauchen, dann sind sie oft recht unentspannt und ungesprächig.

Bei Kilometer 17 geht es auf eine kurze Zusatzschleife. Das hat Katharina nicht gebraucht. Sie kämpft mit ihrer Motivation, sucht nach Ausreden um langsam laufen zu dürfen. Tja, da hätte sie nicht mit mir laufen dürfen. Ich ziehe sie bis Kilometer 20. Immer wieder zureden, motivieren, antreiben. Katharina bleibt dran. Der letzte Kilometer wird zum Kampf. Katharina weiß nicht, dass wir super in der Zeit liegen. Ich feuer sie nochmal an. Es geht am Ziel vorbei die Straße entlang, sie fängt sich jetzt wieder noch 300 Meter bis ins Ziel. Als dann 50 Meter vor dem Ziel ein Schüler an ihr vorbei läuft kann sie sogar noch zu einen kurzen Sprint ansetzen. Nach 1:56 sind wir im Ziel. Wir haben es geschafft.

Auch für mich war es gut mal wieder auf der Straße gelaufen zu sein und ich fühle mich bereit für den Berlin Marathon. Am Freitag geht’s los nach Berlin. Vielleicht ist es ja das letzte Mal, dass ich einen Marathon auf der Straße laufe…

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