Mit dem Landrover durch die Negev

von | 12. Mai 2018 | Israel, Reiseberichte

Mit Beduinen durch die Wüste Israels

In Israel gibt es viel zu entdecken. Land, Leute, Wüste. Allerdings trifft man gerade in der Wüste auch die spannendsten Leute. Ali zum Beispiel. Er ist Beduine und fährt uns heute mit seinem Landrover vom Toten Meer aus in den Negev.

Ali hat einen großartigen Humor. Den braucht er auch beim allgemeinen technischen Zustand seines Landis. Das heilige Gefährt eines jeden Outdoorfans und Off-Road-Enthusiasten wird bei ihm allerdings durch Draht, Klebeband und Hoffnung zusammengehalten. TÜV? Kommt im Negev wohl genauso wenig vor wie Wasser.

Unsere skeptischen Blicke hat er verstanden und meint auch sofort: Keine Sorge, wir sind versichert … und präsentiert ein strahlendes Lächeln. Na, wer mich so überzeugend und charmant anstrahlt, der weiß wohl was er tut. Zumindest hoffe ich das und steige ein. Als echter Outdoorfan fährt man offen und vor allem schnell. Außerdem lernen wir, dass hier die gleichen Verkehrsregeln wie auf Deutschlands Autobahnen gelten: Keine Geschwindigkeitsbegrenzung, also Vollgas! Wahrscheinlich will Ali sich nur beeilen, um von der Straße runter und mit uns in die Wüste zu kommen. Wir hatten ja auch Wüstentour gebucht. Beim Blick auf den Tacho sehe ich … nichts! Die Anzeige ist abgeklemmt und die Geschwindigkeit liest man auf einem liebevoll nachträglich ergänzten Instrument ab. Ob das den Wiederverkaufswert des Landis erhöht? Ich bezweifle das.

In Israel brauchst Du Gottvertrauen – Egal in welchen Gott

Kaum haben wir die Straßen hinter uns gelassen wird’s staubig. Macht ja nichts, in aride Klimazonen reise ich grundsätzlich nur mit Shemagh. Schützt vor Sonne, Sand und Sonnenbrand. Darüber hinaus sieht man damit ja auch immer verwegen aus. Der verwegene Gesichtsausdruck entgleist mir allerdings, als Ali den Bremsentest ausruft. OK, ich habe damals Colt Seavers gesehen und geliebt. Als Fan des Stuntmans weiß ich, wenn Du einen Hügel hinunterfährst, fahr in gerade herunter. So gefahren überschlägt sich der Wagen auch nicht. Das war die Theorie und jetzt sollte ich nach etlichen Jahren also auch den Praxisteil dazu erleben. Es ist ein bisschen so wie in der Achterbahn, wenn der Wagen über den Scheitelpunkt fährt. Allerdings ist man in der Achterbahn angeschnallt oder zumindest so gesichert, dass man sich mit dem Gefährt sehr verbunden fühlt. Dieses Gefühl fehlt bei Ali’s Landrover komplett. Jeder greift zur Rücklehne, dem Rohrramen über einem oder ganz einfach zum Knie des Sitznachbarn. Und so nimmt das Schicksal, untermalt von Jauchzen und Johlen, seinen Lauf.

Mann ist das steil hier, schießt es noch durch mein Hirn bevor wir mit dem Wagen den Hügel – OK, Berg – hinunterschießen. Das Auto wackelt und knirscht, der Motor jault noch einmal auf und mein Steißbein meldet direkt und ohne Verzögerung jedes Schlagloch direkt ins Hirn. Trotz aller blöden Sprüche und dem Gesamteindruck des Fahrzeugs funktionieren Bremsen und Lenkung einwandfrei. So steuert uns Ali nach der Schussfahrt elegant über die nächste Schotterpiste und hinein in die malerisch braun-goldenen Hügel. Jetzt fallen Sie mir auch auf und ich kann endlich die Landschaft genießen. Allerdings frage ich mich, warum denn da oben dieser schwarze Vogel kreist. Ist das ein Geier? Wenn Ali hier öfters fährt, weiß der mehr als wir?

Und so geht die lustige Landrovertour durch die Wüste weiter. Weißer Schotter, brauner Fels, grüne, knorrige Sträucher, blauer Himmel und wir haben alle ein breites Lachen im Gesicht. Jetzt macht die Tour richtig Spaß. Natürlich testet Ali mit uns bei jedem zweiten Hügel die Bremsen und warum muss man um die Kurve herum fahren, wenn man auch den Geländewagen ganz direkt bergauf und bergab prügeln kann? Genau, der Landrover heißt ja nicht umsonst Geländewagen. Beim nächsten Schlagloch bzw. Krater, durch den uns Ali fährt und es uns auf dem Landrover so richtig durchschüttelt, kommen wir in den Genuss einer weiteren Beduinen-Weisheit „Don’t panic. This ist he holy land. Many people like to come here to die …“ Vielleicht könnten wir diesen Punkt heute mal auslassen … bitte!

Survival-Hacks für die Wüste

Aber neben all dem Spaß und der Landschaft gibt es auch noch die ein oder andere Lehreinheit zum Thema Wüste. Da wächst doch dieses niedrige Gestrüpp mitten in der Wüste. Ali bremst und zeigt uns einen der Survival-Hacks aus dem Beduinen-Nähkästchen. Man nehme einfach einige der knorzeligen Knospen, zerreibt sie zwischen den Händen, gibt einen Schluck Wasser hinzu und schon hat man: Beste Seife! Reinigt, riecht gut und steht da überall rum. Ali meint noch, dass er immer versucht in der Nähe so eines Strauchs seine Reifenpannen zu haben … dann kommt er auch immer sauber nach Hause.

Weiter lernen wir, dass man die Kreide, die einfach so bröckelig auf dem Wüstensand rumliegt, leicht zerreiben und dann als Sonnenschutz im Gesicht verteilen kann. Und wenn die Sonne zu sehr brennt, sucht man sich einfach eine Höhle. Darin wird es auch tagsüber und im Hochsommer niemals wärmer als 24 Grad Celsius und nachts bleibt es ebenfalls warm. Also es wird nicht kälter als die 24 Grad. Wahrscheinlich ist dieses Beduinenwissen ein Teil des Versicherungspakets, das Ali am Anfang angesprochen hat.

Außerdem lernen wir, dass die große Kampfszene aus Rambo III (1988) damals hier gedreht wurde. Nix Afghanisten, Israel musste als Kulisse herhalten.

Tausche Kamel gegen Landrover

Und dann gibt es Tee und Gebäck. Ganz Beduinenstyle im Schatten des Landrovers, mitten in der Wüste. Jetzt zeigt uns Ali auch seine ruhige Seite und erzählt aus seinem Leben und von seiner Familie. Er wurde noch in der Wüste als Stammesmitglied der El Atrash geboren und zog mit seinen Eltern und Kamelen durch den Negev. In den 1980er Jahren wurden die Beduinen dann durch die Israelis sesshaft. Später fand er seinen Weg in den Tourismus, tauschte Kamele gegen Landrover und fährt nun Gäste durch die Wüste. Und das macht ihm ganz offensichtlich viel Spaß.

Wer keine Angst vor rudimentärer Technik hat, etwas über die Wüste lernen will und holprige Pisten mag, der sollte unbedingt mit Ali fahren. Er bringt auch immer alle wieder lebend Heim. Im Gepäck hat man dann viele Eindrücke aus der Wüste, pfiffiges Grundwissen und so ein Beduinenfeeling.

Ein Bokek Beach

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