Als mich Davide Orlandi von Soul Running anrief ,ob ich eine neue Trailresort in Italien erkunden möchte, musste ich zuerst einmal auf der Karte nachsehen, wo sich denn der Nationalpark Monte Sibillini befindet. Der Nationalpark befindet sich genau an der Grenze zwischen Umbrien und den Marken, südlich von Assisi. Um genau zu gehen genau zwischen der den Badeorten der Adria und dem kulturellen Umbrien.

Ich entscheide mich für den Flieger ab Zürich. Nach knapp zwei Stunden lande ich in der italienischen Hauptstadt, wo wir uns alle Flughafen in Rom treffen. Der Shuttlebus mit unserem Guide Roberto wartet bereits und wir haben noch 160 Kilometer vor uns.

Die Fahrt verläuft kurzweilig, schließlich sind Trailrunner aus ganz Europa dabei. Man tauscht sich aus und ist schon gespannt, was uns erwartet, schliesslich hat Andrea uns durch seine ersten Posts auf Facebook bereits Appetit gemacht. Wir erreichen nach drei Stunden Fahrzeit unser Resort, das Hotel Domus Laetitae, das erste Running Hotel in den Marken, das traumhaft inmitten des Nationalparks liegt. Natur pur, direkt an der Baumgrenze, wir können es kaum erwarten in unsere Schuhe zu springen und los zu laufen.

 

Die Nacht ist Ruhig, sehr ruhig, kein Großstadtlärm, ein paar Vögel zwitschern, ansonsten ist es eine unglaublich ruhigen Vollmondnacht.

Der Morgen beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück und dem Briefing für den ersten Tag. Es gibt unzählige Trails im Nationalpark um den Monte Sibillini. Sogar eine Umrundung des gesamten Nationalparks, dem Grande Anello, mit 120 Kilometern und 5.400 Höhenmetern kann erlaufen werden. Unsere erste Tour geht über den Monte Bove Sud weiter nach Ussita, der Hauptstadt des Nationalparks.

Der Start geht erst kurz durch einen kleinen Wald nach unten ,ehe der Aufstieg auf schmalen Trails von 850 Höhenmetern uns bevorsteht. Schon nach kürzester Zeit geht es wieder über die Baumgrenze und vor uns sind endlose Wiesen durch die sich ein schmaler Streifen stetig nach oben zieht. Die Gebirgsformation ist der der Dolomiten sehr ähnlich. Scharfkantige Steine erfordern gute Trailschuhe, die auch einen etwas erhöhten Schutz bieten. Der Blick ist fantistisch. Menschenleere Hänge, lediglich einem Bergwanderer begegnen wir, während unserer gesamten Tour.

Das Naturschutzgebiet wird sehr genau reguliert. Nicht mehr als 30 Trailrunner oder Wanderer dürfen gemeinsam auf den Wegen unterwegs sein. Dadurch wird den seltenen Tieren, inzwischen leben wieder zahlreiche Wölfe, Adler und Steinböcke in dem Resort, genug Freiraum gegeben. Ein Bär, so erzählt uns ein Ranger, kommt auch einmal im Jahr aus den Abruzzen zum Monte Sibillini, um hier vermutlich Urlaub zu machen. In der Ferne sehen wir sogar einen Steinbock, der unser Treiben genau beobachtet.

Trailrunning ist hier in seiner ursprünglichsten Art zu erleben. Enge Trails, teilweise direkt über Wiesen und an Felskanten entlang. Satte Aufstiege und fluffige Trails lassen das Trailrunner-Herz höher schlagen. Die Mittagspause verbringen wir auf einer kleinen Hütte. Carbo-Loading auf italienisch mit regionalen Köstlichkeiten.

Draussen braust ein Unwetter über uns her und wir sind froh, gerade nicht laufen zu müssen. Eine Stunde später ist der Spuk draussen vorbei und innen alles aufgegessen. Wir setzen unseren Weg hinunter nach Ussita fort. Ein Gerölltrail führt uns hinunter ins Dorf, wo auch schon der Shuttles auf uns wartet und uns wieder zurück zum Hotel bringt. Ein perfekter Tag mit viel Spass und genialen Trails.

Am kommenden Morgen ist der Himmel bewölkt. Es ist kalt und zeitweise regnet es. Wir verändern unseren heutigen Lauf und nehmen den einfacheren Weg. Doch auch hier müssen wir über Schneefelder laufen (es ist Juni und wir sind in Süditalien!) um zum Aussichtspunkt Palazzo Borghese zu kommen. Normalerweise kann man von hier die 50 Kilometer entfernte Adria sehen. Heute ist es so neblig, dass man kaum die Hand vor den Augen sehen kann. Der Trail führt uns hinunter in die Piano Grande, eine Hochebene, die den Anschein erweckt, man wäre in Nepal. Mirko führt uns heute wieder über traumhafte Trails. Wieder haben wir den gesamten Tag menschenleere Trails in einer unglaublichen Landschaft. Auf der Hochebene erwartet uns schon Roberto vom Hotel, der ein paar Kilometer entfernt in Castelluccio uns wieder ein Festmahl serviert.

Die Mittagspause verbringen wir wieder mit regionalen Spezialitäten, ehe unser letzter Abstecher zum Santuario di Macereto geht. Ein Wallfahrtsort der bereits im sechzehnten Jahrhundert erbaut wurde. Von hier dürfen wir einen tollen Downhill hinunter nach Ussita laufen. Wie wir später erfahren handelt es sich um den Haustrail von Roberto unserem Guide und er ist mächtig stolz, uns seine Heimat zu zeigen.

Trailrunning am Monte Sibillini ist ein echtes Highlight. Natur pur. Menschenleere Trails. Perfekte Wege und ein optimale Versorgung. Wer hierher kommt sollte sich auf alle Fälle einen Guide organisieren, denn die Trails sind so weitläufig, dass es sich lohnt einen ortskundigen Läufer dabei zu haben, der einen noch den ein oder anderen tollen Weg oder Ausblick zeigen kann.

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