Ist Trailrunning nur noch Event?

von | 20. Februar 2018 | Top Thema

Manchmal frage ich mich, wieviel Kommerz unser Sport verträgt. Dabei ist es ja schon sehr einfach zu erkennen, dass die besten Sportler nicht in National-Teams, sondern hauptsächlich in Sponsoren-Teams unterwegs sind. Das hat zum einen den Vorteil, nicht auf Verbandsstrukturen angewiesen zu sein. Zudem ist es im Eigeninteresse der Hersteller die Produkte weiter zu entwickeln, um ihren Top-Athleten einen Vorteil zu verschaffen. Auf der anderen Seite, werden die Sportler sehr stark durch die einzelnen Marken beeinflusst und auch deren Philosophie auf die Sportler adaptiert.

Namensgeber für die Events

Wie bereits bei den klassischen Laufevents werden auch die Trailveranstaltungen immer mehr zu einem Sponsor Event. Gore-Tex Transalpine Run, Salomon Trails 4 Germany, TheNorthFace Lavaredo Ultratrail, um nur einige zu nennen. Dabei setzen auch die Veranstalter gezielt darauf, dass die „Namensgeber“ auch ihre Top-Läufer an den Start bringen. Dadurch ist es auch für Otto-Normal-Läufer möglich neben den Stars an der Startline zu stehen. Das ist im Trailrunning noch um einiges entspannter, denn die Top-Athleten sind um einiges zugänglicher als in den Straßenwettbewerben.

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Doch zurück zum Thema. Viele Sportler wenden sich inzwischen von den großen Laufevents ab. Zu viel Kommerz ist die einhellige Meinung derer, die auf einen gut organisierten Lauf verzichten. Und in der Tat gibt es sie, die kleinen, fast privaten Läufe, die mit extrem viel Herzblut organisiert werden. Aber oft verschwinden diese, so schnell wie sie gekommen sind, denn die Veranstalter stellen schnell fest, dass nur mit eigenem Engagement so ein Lauf nicht auf lange Sicht gestemmt werden kann. Und wenn es sich rumspricht, dass der Lauf toll ist, wird er schnell größer. Dann liegt es an den Organisatoren, ob sie den Lauf öffnen oder einfach klein halten. Beim Letzteren wird der Lauf irgendwann verschwinden und beim Ersteren sind wir wieder in der Eventfalle.

Läufe in der Kommerzfalle

Sponsoren kommen hinzu. Der Veranstalter möchte auch den Läufern ein Gutes drumherum bieten. Und Preise wären auch nicht schlecht. Dazu kommen die Kosten für die Streckenfreigabe, Sanitätsdienst, Zeitmessung, usw. So schnell kann man gar nicht schauen, sind ein paar hundert Euro zusammen und je größer der Lauf wird, umso teurer wird das Ganze. Da ist es ja auch verständlich Sponsoren mit einzubinden, um das Risiko zu minimieren. Irgendwann kommt dann die Expo im Start- und Zielbereich dazu.

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Das man das Ganze auch auf die Spitze treiben kann ist seit  Ende 2016 in extremer Form beim UTMB zu erleben. Klar, die inoffizielle Weltmeisterschaft in Chamonix ist für viele Trailrunner ein Ziel. Die Bedingungen, um an diesem Event teilzunehmen werden aber immer schwerer. Das liegt hauptsächlich an den Qualifikationspunkten, die es braucht um an dem Lauf teilzunehmen. Denn diese gibt es nur bei Events, die auch ITRA-Punkte vergeben. Ironischerweise sind die Verantwortlichen der ITRA und des UTMB die gleichen. Und so werden die Veranstalter genötigt, Gebühren dafür zu bezahlen, dass bei ihrem Event die begehrten Punkte vergeben werden. Inzwischen weigern sich immer mehr Veranstalter bei der Punktevergabe mitzumachen und dem Clan um Catherine Poletti das Geld in den Rachen zu schieben. Zudem ist der Name „Ultra Trail“ auch ein geschützter Begriff und darf nur gegen Lizenzgebühren verwendet werden.

Den größten Hammer habe ich erst letzte Woche gehört, konnte es aber noch nicht bestätigen. So soll Sportlern, die bei der Verlosung zum UTMB nicht berücksichtigt wurden, für einen 4-stelligen Betrag ein sogenannter Sponsoren Startplatz angeboten worden sein. Sollte das tatsächlich so sein, wäre das eine neue Dimension, wie hier mit den Sportlern umgegangen wird.

Nachtrag: Es handelt sich hier um die sogenannten Charity-Tickets, die für 2.000 Euro erworben werden können. In dem besagten Fall, wurde der Läufer von OK dazu kontaktiert.

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Western States Lotterie

Dass man die Athleten auch anders für sich gewinnen kann, sieht man inzwischen bei vielen Events in Europa. So wirbt man mit der Teilnahme an der Lotterie für den Western States Endurance Run. Der älteste Ultra der Welt ist ein noch größerer Mythos als der UTMB. Die Geschichte des Laufs ist spektakulär, der Lauf hat noch immer etwas von einem Familienevent. Dass die Chancen trotz allem geringer sind, als beim UTMB schreckt trotz allem keinen ab.

Das Herz des Laufs geopfert

Die Spitze des Kommerzevents wird gerade beim Swissalpine Marathon deutlich. Nachdem der traditionelle Swissalpine Marathon den wenig erfolgreichen Bruder Irontrail in sein Programm aufgenommen hat, wird die Veranstaltung in Davos immer mehr aufgeblasen. Inzwischen können Läufer Strecken von zehn Kilometer bis zu 127 Kilometern bewältigen. Leider hat man in 2018 das Herz des Events einfach gestrichen. Der K78 ist nicht mehr teil des Events. Hier konnten in den vergangenen 31 Jahren auf einer Mischung zwischen Straßen- und Berglauf mit wenig Ausrüstung „Trailluft“ schnuppern. In diesem Jahr gibt es dann nur noch den T88 – ein Traillauf von St. Moritz nach Davos. Zum einen kein Rundkurs mehr, dafür viel Trailanteil und eine nahezu doppelte Zielzeit mit Ankunftszeiten in der Nacht oder an frühen Morgen. Andrea Tuffi begründet die Änderung mit dem Rückgang der Teilnehmer auf dem K78 und der erhöhten Nachfrage nach Trailstrecken. Wir waren auf beiden Strecken unterwegs, vergleichbar sind sie nicht und so geht einer der schönsten Läufe verloren. Man denke nur, der Rennsteiglauf würde in einen Extremtrail mit 10 Prozent längerer Strecke und doppelt so vielen Höhenmetern ersetzt.

Gleichberechtigung auch auf den Trails

Positive Seiten gibt es aber auch. So war es Plan B, die als erstes einheitliche Preisgelder vergaben. So bekommen seit letztem Jahr Frauen und Männer bei den Events exakt das gleiche Preisgeld. Und es geht weiter. Immer häufiger besinnen sich die Veranstalter darauf, was Trail eigentlich bedeutet und so finden immer mehr Läufe in den Mittelgebirgen statt. Zudem werden auch die Distanzen kürzer um auch Anfängern die Chance zu geben, an einem der schönsten Sportarten aktiv teilzunehmen.

 

Trailrunning steht gerade an einem Scheideweg – gehen sie den eingeschlagenen Weg weiter, dann wir der Sport ein Randdasein fristen oder öffnet sich der Sport und bringt ihn an die Basis. Das hat sie bislang trotz der Integration in die IAAF nicht wirklich geändert, denn genau wie beim Berglauf gibt es nicht wirklich angepasste Strukturen. In einigen Ländern ist das schon lange so, in Deutschland finden in diesem Jahr immer mehr Events im Mittelgebirge und im Alpenvorland statt, anstatt nur die großen Berge bezwingen zu müssen. In Übersee ist Trailrunning das, was es bei uns vor 30 Jahren war, da hiess es eben Landschaftslauf. Ein Zwischending wäre wohl die optimale Weg, denn Trailevents können nie den Status eines Berlin Marathon mit über 40.000 Startern erreichen. Das geben die Strecken schon gar nicht her. Es bleibt spannend und am Ende entscheiden es die Teilnehmer.

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